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grenzenlos ist nicht |
| Stand: 03.01.2010 |

Musikschule "grenzenlos" serviert Musical für jeden Geschmack. Gute Songs und flotte Rhythmen zwischen Fast Food-Bude und Bioladen. Abgespeckte Version wäre etwas verdaulicher gewesen
Von Gisela Müller
LÜDENSCHEID • "Wir wollen sein ein kernig Volk von Brüdern und Schwestern" tönte frei nach Schiller der Müsli-Schwur von der Bühne des Kulturhauses. Das war der gemeinschaftliche Beschluss der Pommes-Buden-Bewohner und der Obst- und Gemüse-Leute vom Bioladen. In dem Fast Food-Musical "Mahlzeit!" von Mechthild von Schoenebeck entschied schließlich das essbare Volk, was die beste Lösung sei und stimmte für die Fusionierung der Läden. Mit dem Musical präsentierte die Musikschule "grenzenlos" ihr Jahresabschlussprojekt und füllte den großen Saal des Kulturhauses bis auf den letzten Platz.
Das viele Üben und Proben hatte endlich ans Ziel geführt: Auf der Bühne standen sich die beiden Buden gegenüber, und es herrschte bittere Feindschaft zwischen der Fast Food- und der Bio-Fraktion. Mit peppiger Untermalung durch die verschiedenen Bands und ein klassisches Ensemble hatten alle ihren Auftritt: Georgina (Corinna Grieger), die flippige Grillerin, Elisabeth (Carolina Geck), die schluffige Bioladentante, der Pommes-Chor, der Obst-und-Gemüse-Chor und ein paar selbstbewusste Solisten wie das Fisch-Stäbchen, die Nematode, die Salatgurke, die Salmonelle, der Apfel, die Birne oder die Curry-Wurst.
Phantasievolle Kostüme und eine lebendige Choreographie machten das Getümmel auf der Bühne zu einem köstlichen Anblick. Als dann der Amtmann (Carlo Hüsken) kam, um die Pommes-Bude wegen Nematoden-Befund zu schließen und Elisabeth wegen mangelnder Hygiene zu verwarnen, musste ein Held her. Nur die Wurmschläue von Willi, dem Apfelwurm, und die Solidarität alles Essbaren rettete die ganze Sache.
Viele gute Songs, schöne Arrangements von den Lehrkräften der Musikschule, flotte Sprüche, Situationskomik und der sichtbare Spaß der Aufführenden hielten das Publikum in Atem. Was gut anlief und gleich zum Mitfiebern und -klatschen animierte, geriet am Ende allerdings zu lang. Etwas abgespeckt wäre "Mahlzeit!" besser zu verdauen gewesen. Und wegen der unausgewogenen Akustik waren die Chöre gegenüber den verstärkten Bands leider kaum zu verstehen. Manch ein Kind im Publikum schaltete nach der ersten Stunde ab, weil es nicht mehr folgen konnte.
Als dann das große Finale mit vom Himmel fallenden Luftballons und Tutti-Tanz kam, klang das Plädoyer für die gute alte Mischkost schon ein bisschen matt. "'Für jeden etwas' ist jetzt die Devise, das ist der Ausweg aus der großen Krise", so lautete die Lösung des Problems, die Läden fusionierten zu "Gesund & Lecker", Georgina würde "seriös" und Elisabeth "modisch".
Ende gut, alles gut: Der alternative und geschickt platzierte Pausen-Snack hatte über das größte Tief der Veranstaltung hinweg geholfen und beim Rausgehen sah man viele zufriedene Gesichter, die sich nach dem großen Auftritt mit "grenzenlos" auf das gesunde und leckere Abendessen in ihren Familien freuten: "Mahlzeit!"
[15.07.2002]
